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Der letzte Herr des Wienerliedes
Widmung in Harry Glöckners Buch "Hansl Schmid, der letzte Herr des Wienerliedes"
Unser Österreich war immer ein Land der Herren!
Auch du bist ein Herr, der letzte Herr des Wienerliedes! Gib es weiter an die Jungen, damit es nicht ausstirbt! Dann hast du nicht umsonst gelebt.

Dein Fred Hennings († 1981, Kammerschauspieler, Kunst- und Kulturhistoriker, Schriftsteller, Vorträge Wiener Stadt- und Kulturgeschichte)


Wie der Schmid Hansl bekannt wurde:

Es gab in den zwanziger Jahren eine riesige Arbeitslosigkeit in Österreich. Wer konnte holte sich am Samstag die Hosen aus dem Pfandl, um am Sonntag mit Frau und Kindern ins Liebhartstal zu spazieren und anschließend in einer der vielen Gastwirtschaften einzukehren. Die Kinder bekamen ein Kracherl, wie es schmeckte war eigentlich egal, die Farbe war wichtig. Am beliebtesten waren die roten. Ein Malheur gab es meist beim Öffnen der Kracherlflaschen. Es gab damals tückische Verschlüsse, nämlich eine Glaskugel, die man mit ziemlicher Gewaltanwendung in die Flasche stoßen musste. Es entwich die Kohlensäure, die Kugel sank zu Boden und nicht selten ergoss sich der Inhalt zum Teil auf die frischgestärkte Bluse oder Schürze der Mutter. Ein Kracherl und eine Schnitte war der Sonntagswunsch der Kinder, dem sie eine Woche lang nachhingen.
Ein beliebtes Ausflugslokal war der Matauschek im Liebhartstal. Der Wiener ging nicht schnurstracks zum Heurigen, er machte eine kleine Landpartie, einen Spaziergang durch den Wienerwald und dann kehrte man ein. Beim Matauschek herrschte ein reges Heurigenleben. Die Brüder Matauschek waren äußerst beliebte Heurigensänger, die ihre Gäste mit Konzertbegleitung glänzend unterhielten. Der Schmid Hansl war mit seiner Frau Anni, beliebter Stammgast.
Man kann sagen, das sich dort im Liebhartstal sein Schicksal entschieden hat und das begab sich so:
Der Schmid Hansl war zwar ein begeisterter Opernliebhaber, hatte aber nie die Vorstellung Sänger zu werden. Er war mit Leib und Seele ein erfolgreicher Kaufmann.
In einigen Lokalen war es Brauch, ein wenig mitzusingen, wenn die Schrammeln zum Tisch kamen. Das tat auch der Schmid, im „alten Ort“, bei der Starezek, bei der Zehner-Marie, aber nie beim Matauschek. Wäre ihm gar nicht eingefallen, denn das wäre ja so, als wollte sich ein Straßensänger mit dem Caruso messen. Bei Matauschek war der Schmid Hansl nur aufmerksamer Zuhörer. Bis eines Tages der gewichtige Matauschek das Podium bestieg und um Ruhe bat. „Meine lieben Gäste“, hob der fast zwei Meter große Riese an, „es gibt da einen Mann, ich kenne ihn gut, er ist seit vielen Jahren ein lieber Gast bei mir, sitzt da, trinkt seinen Wein, isst sein kaltes Schnitzel und lasst den Herrgott einen guten Mann sein! Der Nämliche singt bei anderen Heurigen, und, wie man mir berichtet, hervorragend. Er kennt sogar die ganz alten Wienerlieder. Nur bei mir hat er noch nie gesungen. Er ist heute wieder da, soll er da heraufkommen?“ Das Publikum neugierig, begann zu klatschen und der Matauschek bat den Schmid Hansl auf das Podium.
Es ist etwas anderes, in einer gewissen Anonymität am Tisch ein Lied zu singen. Aber nun sollte er vor den vielen Leuten singen. Es gibt Situationen im Leben, in denen man denkt: Ist eh alles wurscht! In so einer befand sich der Schmid Hansl, als er mit dem Matauschek den „Ottakringer“ anstimmte. Hansl Schmid dachte sich in dem Moment „Na ja, zum Matauschek wern ma halt jetzt nimmer gehen können.“ Und dann sangen sie den Ottakringer Marsch zweistimmig. Im Garten wurde es ganz still, am Zaun sammelten sich die Passanten und als das Lied zu Ende war, hob ein tosender Applaus an. Der Wirt gab dem Schmid Hansl ein lautes Busserl auf die Wange mit den Worten: „So, und ab jetzt singst bei mir a!“
Das war die Geburtsstunde des Wiener-Lied-Sängers Hansl Schmid.
Bei der 10er Marie: K.Losert, F. Matauschek, Hansl Schmid, F. Imhof, Maly
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Mein Herz das ist ein Bilderbuch vom alten Wien

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